Okay, das ist jetzt verlangsamte Berichterstattung, immerhin ist der Film aus dem Jahr 2004. Es geht um Eternal sunshine of a spotless mind. Die deutschen Vermarkter schafften glorios die totale Titelentweihung und nannten ihn Vergiss mein nicht! Damit haben sie, vermutlich Geld in der eigenen Tasche-Hasser, die prinzipielle Zielgruppe vergrault, der Film war bei uns bei weitem nicht so erfolgreich wie anderswo auf der Welt. Jim Carrey und Kate Winslet geben darin ein Paar, welches sich den Traum erlaubt, mit Hilfe einer psychedelischen Reset-Pille ihre Beziehung in der subjektiven Erinnerung zu löschen. Und sich immer und immer wieder den Zauber des einander Kennenlernens und Sich-Verliebens zu geben. Weil anziehend finden sie sich ja, egal wie es ihnen miteinander weiter ergangen ist. Jedes Mal. Super Film. Trotz Jim Carrey, in diesem Fall sogar wegen Jim Carrey, der kann auch alltagsübliche Gesichter.
Nach dem Film bietet sich an, das ganze im persönlichen Privatleben durchzuspinnen. Da waren ja die Beziehungen, die aus waren, dann aber auch echt aus. Ob man wollte oder nicht. Es gab höchstens kleine halbweiche Aufgüsse, aber aus war‘s letztendlich. Trotzdem, ein bisschen kennt man es auch, das Phänomen aus dem Film. Auch ohne Pille.
Man lebt so dahin nach einem Liebessupergau, absolviert diese ganzen Abnabelungsphasen der Trauer, Wut, Verleugnung und wie sie halt heissen. Und während sich die Jahre danach so stapeln, verblassen die Geschehnisse mit diesem einem bestimmten Menschen, mit dem man damals in einer Sackgasse gelandet und alleine wieder rausgetaumelt ist, nur noch als ein vages Gefühl, bisschen schal, bisschen sentimental. Man hat sich ja jetzt andere Welt gebaut. Mit wem neuen, oder sogar mehreren, mit Kindern dazu oder Hunden. Der Mensch aus der Sackgasse ist nicht mehr im Alltag. Der ist nur mehr eine Narbe.
Und eines Tages trifft man den Sackgassenmenschen. Zufällig womöglich. Ein bizarres Gefühl. So als sässe man im Flugzeug neben dem Papst oder Madonna oder beiden. Ein Subjekt aus einer Parallelwelt. Und was dann passieren kann, ist, dass die Gefühle nahtlos an dem Punkt ansetzen, an dem man sich getrennt hat. Man ist wieder verliebt, oder geil auf ihn oder wütend. Was halt die vorherrschende Emotion zu ihm war. Sitzt drinnen wieder in der Gasse, ohne Schutz des neuen Umfeldes. Wieder ganz blank und dem und nur dem ausgesetzt. Es herrscht die gleiche Stimmung. Als würde man sich einen Super8film von früher ansehen.
Das muss nicht anhalten, aber als Impuls gibt es das. Und geht man dem nach oder nicht, es bleibt ist eine gewisse Unsicherheit darüber, ob man jemanden so echt und richtig verkraftet kann. Im Sinne von so wurscht, dass es wurschter nicht geht. Mich empört das. Da versagt die eigene Birne. Die hat mühselig gelernt, in anderen Bezugspersonen zu denken. Aber wenn sie den Trigger der alten Suchtperson wieder wahrnimmt, macht sie den time warp und verjüngt einen um all die Erfahrungen, die man danach mühsam zusammenderlebt hat.
Auf die Resetpille warten wir noch. Leider oder auch nicht. Weil der Sackgassenmensch bei aller Liebe vielleicht ja z.B. einfach ein Arschloch ist. Und es gut ist, dass es aus ist. Reality Bites. Auch ein guter Film. Deutscher Titel übrigens „Voll das Leben“. Diese Wappler.
Kolumne für derstandard.at vom 5. September 2011
Und ich dachte ich bin mit sowas allein auf dieser Welt. Danke.